Im Strafrecht

Ist erst Anklage bei Gericht erhoben, stehen die Chancen - statistisch gesehen - ausgesprochen schlecht für den Angeklagten. Die Zahl der Freisprüche vor den Strafgerichten ist, gemessen an der Zahl der Verurteilungen, gering. Dies liegt in der Natur der Sache:

Der Staatsanwalt hat die Ermittlungen geführt und ist nunmehr überzeugt, daß die Beweise, die er hat, für eine Verurteilung des Beschuldigten ausreichen. Der zuständige Richter liest nunmehr die Akte und entscheidet sich für die Eröffnung des Hauptverfahrens. Dies tut er selbstverständlich nur, wenn auch er der Meinung ist, daß die Beweise - nach Aktenlage - ausreichen, um eine Verurteilung wahrsscheinlich zu machen.

Es haben sich also in den Köpfen zweier wesentlicher Verfahrensbeteiligter "Vorurteile" gebildet.

Betritt nunmehr der Angeklagte den Gerichtssaal, liegt er bereits im Rückstand.

Die "guten alten Zeiten", in denen der Strafverteidiger nunmehr erstmals in der Gerichtsverhandlung auftritt und dort mit einem flammenden Plädoyer die Sache für den Mandanten noch einmal "herumreißt" sind - wenn es sie denn je gegeben hat - vorbei. Das hat auch damals in den wenigsten Fällen funktioniert.

Erstes Verteidigerziel sollte daher sein, wenn irgend möglich, die Eöffnung des Hauptverfahrens zu vermeiden. Die Unwägbarkeiten vor Gericht sind einfach zu groß.

So es der Fall denn hergibt, versuche ich daher stets, bereits im Ermittlungsverfahren mittels einer Schutzschrift Kontakt mit der Staatsanwaltschaft aufzunehmen um bereits in diesem Stadium Einfluß auf den Verfahrensgang nehmen zu können.

Nicht selten kann, etwa bei weniger schwerwiegenden Delikten oder bei offensichtlichen Ermittlungsfehlern in der Akte, eine Einstellung des Verfahrens außerhalb eines Gerichtsverfahrens erreicht werden.

Es versteht sich, daß sich nicht jeder Fall für eine solche Vorgehensweise eignet.

 

Rechtsanwälte

Roman Raczek
Rechtsanwalt
Strafrecht, Sozialrecht
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Natascha Jewan
Rechtsanwältin und Mediatorin
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