Strafrecht: Der Staat gegen den Einzelnen.

Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht: Wenn Ihnen die Begehung einer Straftat vorgeworfen wird, haben Sie eine Menge mächtiger Gegner. Jemand hat Sie beschuldigt, etwas Unerlaubtes getan zu haben und damit eine riesige Maschinerie in Gang gesetzt.

Grundsätzlich dürfen Sie in Deutschland darauf vertrauen, daß alle mit der Strafverfolgung betrauten Stellen um größtmögliche Objektivität und Fairness bemüht sind.

„Warum brauche ich dann einen Anwalt?”, möchte man sich fragen. „Ich erzähle denen einfach, wie es wirklich war, dann wird mir schon nichts passieren.”

Das wäre schön, ist aber nicht so. Warum? Weil Sie es stets mit Menschen zu tun haben, die irren, Fehler machen und sich von Vorurteilen leiten lassen können. Weil sie es mit Menschen zu tun haben, die sich von falschen Anschuldigungen täuschen lassen können. Weil Sie es mit Menschen zu tun haben, die täglich mit „Verbrechern” umgehen und mit der Zeit „betriebsblind” werden können. Insbesondere das Strafrecht liefert eine unübersehbare Zahl von materiellen und prozessualen Fehlerquellen, die die Beteiligten in die Irre führen können.

Das weiß natürlich seit jeher auch der Gesetzgeber und erlaubt es dem Beschuldigten, sich in jeder Lage des Verfahrens eines Anwalts, eines Strafverteidigers, zu bedienen.

Der Strafverteidiger ist Vertreter Ihrer Interessen.

Dabei ist es völlig gleichgültig, ob Sie „unschuldig” sind, oder nicht. Wie bereits gesagt, haben Sie als Beschuldigter im Strafverfahren eine Menge Gegner. Da ist es nur fair, wenn Ihnen wenigstens eine Person ohne Wenn und Aber zur Seite steht. Sinnvollerweise sollte dies ein Anwalt sein, der sich im Strafrecht auskennt.

Zu Ihrem Verteidiger können Sie auch ehrlich sein, denn er unterliegt der anwaltlichen Schweigepflicht.

Schweigen ist ab jetzt wirklich Gold.

Der erste Rat, denen Ihnen Ihr Strafverteidiger geben wird, kommt fast jedem, der noch nie mit dem Strafrecht zu tun hatte, unverständlich oder gar widersinnig vor. Er lautet: „Schweigen!” und ist die goldene Regel des Strafrechts.

„Aber ich habe doch nichts gemacht! Jedenfalls nicht so! Da muß man doch hin und denen das so schnell wie möglich sagen, damit mir da nicht noch etwas viel Schlimmeres passiert! Und überhaupt, wenn ich da gleich mit einem Anwalt ankomme, denken „die” doch sofort, daß an der Sache was dran ist.”

Diese Fragen und Reaktionen sind völlig verständlich. Ihnen nachzugeben, wäre jedoch völlig falsch.

Der Informationsvorsprung der Strafverfolgungsbehörden.

Als Beschuldigter erfahren Sie von Ermittlungen gegen Ihre Person erst, wenn die Polizei es Ihnen mitteilt. Was die Polizei Ihnen in der Regel jedoch nicht mitteilt, ist, was sie bereits gegen Sie in der Hand hat. Werden Sie beispielsweise einer Sexualstraftat beschuldigt, hat die Polizei möglicherweise bereits seitenweise belastendes Material in Form von Zeugenaussagen gegen Sie in der Hand auf das Sie nunmehr spontan und im „Blindflug” reagieren müssten. Selbst wenn Sie völlig unschuldig sind, laufen Sie in einer solchen Vernehmung Gefahr, sich in Widersprüche zu verstricken und so erst recht das Misstrauen der ermittelnden Beamten zu wecken.

Niemand kann und wird es Ihnen vorwerfen, wenn Sie sich auf dieses Risiko nicht einlassen wollen.

Bevor über die Erhebung einer Anklage gegen Sie überhaupt entschieden wird, haben Sie das Recht, über einen im Strafrecht erfahrenen Anwalt Einsicht in die Ermittlungsakte und sämtliches, Sie belastendes Material zu erhalten, ohne daß Ihnen hierdurch ein Nachteil entstehen würde. Danach haben Sie dann die Möglichkeit, sich zu dem Tatvorwurf zu äußern.

Selbst dann kann es jedoch sinnvoll sein, weiter zu schweigen. Etwa, wenn man mit der Aussage „Ja, ich war am Tatort, habe aber nichts gemacht!” aus Sicht der Staatsanwaltschaft selbst das letzte „Mosaiksteinchen” der strafrechtlichen Beweisführung „Ich war am Tatort!” gegen sich selbst liefert.

Sprechen Sie mit einem Strafverteidiger.

Dies ist die wichtigste Botschaft dieser Einführung. Lassen Sie sich beraten und handeln Sie erst dann. Haben Sie keine Scheu! Ein erfahrener Strafverteidiger hat sich bewusst für das Stra frecht entschieden und in seinem Berufsleben schon eine Menge gesehen. Er wird Ihnen fair und vorurteilsfrei gegenübertreten und konsequent Ihre Interessen verfolgen.

 

Alexander Kirmeß
Rechtsanwalt
Strafrecht
Tel. 040 890 70 673

 
Elmenhorststrasse 7
22767 Hamburg